Stifter Jahrbuch
Neue Folge 31/2017, S. 170ff.
Jozo Džambo (München)

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Des Kaisers „sehnlichster Wunsch" war es, seine Völker „von den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren", aber: „Im Rate der Vorsehung war es anders beschlossen." So lapidar wurde der Krieg angekündigt, der bald „der Große" und dann „der Erste" genannt wurde, am treffendsten einmal aber „der Überflüssige". Es war ein Krieg von bis dahin unbekannten Ausmaßen, in dessen Bilanz etwa zehn Millionen Tote, neue Staaten und neue Grenzen, aber auch neue Probleme standen, die als bittere Erbschaft und dunkler Schatten bis in unsere Zeit überlebt haben.

Dieser Krieg wurde mit neuer Technik und neuen militärischen Strategien geführt und wird nicht ohne Grund als „modern" bezeichnet, wobei in all der Modernität Reflexe früherer Kriege und Zeiten unverkennbar waren. Das betrifft unter anderem die Propaganda, ohne die kein Krieg auskommen kann. Die Funktion der Flugblätter von einst übernahm jetzt die Presse, die mit erstaunlicher Aktualität und Schnelligkeit auf Ereignisse reagieren und diese auch beinflussen konnte. Schon Jean-Jacques Rousseau hat die Presse als die „vierte Säule des Staates" bezeichnet, was dann im 19. Jahrhundert zur „vierten Gewalt" erweitert wurde und sich heute durch das Auftreten neuer Medien um eine „fünfte Gewalt" erweitert hat.

Im „Großen Krieg" waren Fotografie und Film neue Medien, die mit dem Anspruch auftraten, den Krieg „realistischer" darstellen zu können, die sich aber gleichzeitig der Methode bedienten, die noch heute, freilich technisch raffinierter, praktiziert werden: der Retusche, der Montage oder der gezielten Fälschung. Das Bild in all seinen Variationen hat dem Krieg ein Gesicht gegeben, dem wir uns, trotz aller intellektuellen Skepsis, nur schwer entziehen können. Das Phänomen ist allzu bekannt; es genügt, in den Buchhandels- und Bibliothekskatalogen nach dem Stichwort „Macht der Bilder" zu suchen.

Aber es gab und gibt auch die Macht der Worte.